Briten, Bier und Belutschistan

Es ist früher Nachmittag und mittlerweile warm und stickig. Der Staub in der Luft wird immer dichter. Meter für Meter kämpfe ich mich auf meinem Motorrad durch Traktoren, Trucks und Autos, die hier zum Stehen gekommen sind. Gleichzeitig höre ich John Garica, der mir über meine Kopfhörer gerade King zum wiederholten Mal zum Besten gibt. Was ein geiler Song! Plötzlich hasten Männer schreiend an mir vorbei. Im nächsten Augenblick sehe ich mit einem mal dichten, schwarzen Qualm nur rund hundert Meter vor mir aufsteigen. Es stinkt nach verbranntem Gummi. Von überall her scheinen jetzt die Menschen herbeizueilen – einige bewaffnet mit Stöcken und Eisenstangen. Scheiße! Was ist hier los?! Die Schreie, das Gebrüll und das Hupen werden immer lauter. Links, rechts. Einige Männer laufen dicht an mir vorbei, in Richtung der brennenden Autoreifen. Nur einer bleibt stehen und starrt mich an, wie ein wildes Tier. Schnaufend vor Wut und von Dreck verschmiert, rinnt ihm der Schweiß vom Kopf. Die riesige Beule, die er sich scheinbar erst vor wenigen Minuten eingefangen hat, ist nicht zu übersehen. Puh! Jetzt steht fest: Ein normaler Stau, verursacht durch einen Auffahrunfall, ist das hier nicht. Und ich, ich bin einfach mal zur falschen Zeit am falschen Ort.

 

 

Ich bekomme Angst! Zentimeter für Zentimeter, vor, zurück. Da! Eine Lücke zwischen den Trucks. Nur mit Mühe schaffe ich es, in all dem Gedränge, meine Maschine und mich von der Straße zu rollen. Der Qualm, der Staub. Ich kann kaum noch etwas sehen. Nur die Umrisse von kleinen Hütten und Straßenständen. Und überall Menschen. Einige reißen ihre Knüppel in die Höhe und brüllen irgendetwas auf Farsi. Ich muss hier weg! Und zwar schnell! Doch wohin, in welche Richtung? In meinem Rückspiegel sehe ich plötzlich, wie sich mir jemand von hinter nähert. Ich kann kaum einen Meter weit gucken. Ich spüre einen festen Griff an meiner Motorradjacke. Was? Wer? Ich fingere nach dem Tränengas, dass ich immer in meiner Seitentasche habe. Mist! Ich bin zu langsam. Und dann, im nächsten Augenblick, schaut mich eine Frau an. Neben ihr taucht plötzlich ein Typ in schusssicherer Weste und mit Stahlhelm auf, der dem kleinen Kerl mal mindestens sechs Nummer zu groß ist. Ich erkenne ihre Uniformen. Es sind die der pakistanischen Polizei.

„Was machen Sie hier? Hier ist ein Kampf, zwischen zwei Familien. Folgen Sie uns! Sofort! Dort hinten zwischen unseren Fahrzeugen sind sie sicher.“

Schreit mich die Dame, nur zehn Zentimeter von meinem Visier auf schlechtem Englisch an. Flankiert von den beiden, bahne ich mir langsam meinen Weg aus der tobende Menge, in Richtung einer Tankstelle, vor der einige Polizeiautos stehen. Es sind maximal 100 Meter, doch von der Straße kaum zu erkennen. Freundlich, aber spürbar ärgerlich, werde ich gebeten mein Motorrad direkt zwischen ihnen zu parken. Kein Thema! Puh! Ich bin klitschnass geschwitzt und fertig wie ein Brötchen. Doch in Sicherheit. Beäugt von mehreren Dutzend Menschen, die dank der Polizei allerdings nun Abstand halten, setze ich den Helm ab und ziehe meine Jacke aus. Ich brauche einen Moment um mich zu sammeln. Schnell merke ich, wie durstig ich eigentlich bin. Ich ziehe also meinen Schüssel aus dem Zündschloss, um mit ihm meinen Alukoffer mit dem Wasser aufzuschließen. Rein, rumdrehen. Ach nö! Das Schloss harkt mal wieder. Ziehen! Ich höre und spüren das Knacken. Was? Nein! Nein! Nein! Obwohl meine Gedanken irgendwie immer noch bei den Irren da vorne sind, weiß ich sofort was passiert ist: Dieses verfickte, scheiß Plastikteil! Ich habe so eben den einzigen Schlüssel, den ich noch hatte abgebrochen – meinen Ersatzschlüssel. Und das mitten in Pakistan, 100 Meter entfernt von einem Straßenkampf.

Gut eineinhalb Wochen zuvor. Nach meiner Visums-Odysee in Indien bin ich nun endlich wieder in Pakistan angekommen. Garniert wurde das Ganze mit einem Grenzübertritt, wie er leichter kaum sein kann. Was vielleicht auch daran lag, dass ich schon fast die Hälfte der Belegschaft kannte. Einer der Herren in braun und mit Lametta an der Brust fragte mich sogar, wo ich den geblieben sei. Er hätte sich schon gefragt, was den wohl mit meinem Visum sei und wann ich hier endlich wieder auftauchen würde. Ich musste ein wenig lachen und habe mich gefreut. Auch darüber, dass ich nun wieder in dem Land und bei den Menschen bin, die ich bereits Monate zuvor kennen und schätzen gelernt habe. Schon seit zwei Tagen bin ich nun in einem kleinem Hostel mitten in Lahore, unweit der Grenze. Und ja: Mir geht es gut! Vor allem bei dem Gedanken, dass es von nun an immer in Richtung Westen geht. Immer in Richtung Heimat. Doch um da auch anzukommen, brauche ich neuen Reifen – zumindest einen für Hinten. Der Vordere sollte die Tour eigentlich noch eine Weile mitmachen, mich vielleicht sogar nach Hause bringen. Doch nach ein wenig Recherche im Netz bestätigt sich ziemlich schnell das, was ich schon befürchtet hatte. Reifen in meinen Größe zu bekommen wird in Pakistan und dem Iran so schwierig sein wie in Indien. Mein Glück: Ich kenne hier mittlerweile die Jungs vom Pakistan Bikers Club, mit denen ich schon im Oktober ein paar echt coole Tage hatte. Und wenn die mir nicht helfen könne, wer dann? Ich hatte sie schon zuvor informiert, dass ich wieder bei Ihnen aufschlagen werde. Und ja:

Die Freude ist groß, als wir uns wiedersehen. Ich werde geherzt, gedrückt und mit Tee abgefüllt. Wie war Deine Zeit in Indien? Wie geht’s Deiner Hand? Schön, dass Du wieder in Pakistan bist.

Muhammad Zahid, ihr Präsident, wirkt zwar auch dieses Mal ein wenig reserviert und kühl. Aber es gibt diese Momente, in denen man merkt, wie unfassbar cool und warmherzig er doch eigentlich ist. Ach, was ein schönes Gefühl irgendwo, am anderen Ende der Welt, willkommen zu sein. Was meinen Reifen angeht, macht er mir keine allzu großen Hoffnung. Denn hier in Pakistan gibt es im Grunde genommen, nur zwei Menschen, die solche Reifen importieren, beziehungsweise besorgen können. Der Grund: Kaum jemand fährt hier ein großes Motorrad, weil es so unfassbar teuer ist sie einzuführen. Vom Staat aufgedrückte Sanktionen in Sachen Zulassung erledigen für Normalsterbliche dann den Rest. Doch Zahid will sehen, was sich machen lässt. Bis wir uns wieder treffen habe ich Zeit, um hier beim Deutschen Honorarkonsul mein Visum für den Iran abzuholen, das ich hierher habe schicken lassen. Und ja, er selbst wie auch sein Privatsekretär sind so nett, wie es auch schon in den vorangegangenen E-Mails klang. Mit offenen Armen werde ich auch hier empfangen. Und mit dem besten Kaffee seit Monaten. Endlich! Was ein Genuss. Echter, richtiger Espresso. Ja, man wird eben doch bescheiden. Aber unter uns: Ich kann dieses ganzen Tee-Schiss auch nicht mehr sehen. Ob mit Milch, grün, schwarz, mit Früchten oder ohne. Es reicht! Kaffee ist das einzig Wahre und ich bin froh dass ich nun bald hoffentlich wieder in die Gefilde komme, in denen die Menschen klar bei Verstand sind und das ebenfalls wissen.

Drei Tage später. In einem vollkommen verdreckten Hinterhof in Lahore, der eine Werkstatt sein soll, bepacke ich früh morgens mein Motorrad. In meinem Händen halte ich dabei den teuersten Reifen, den ich in meinem ganzen Leben gekauft habe. Fast 300 verdammte Euro für einen TKC 80. Mir wird immer noch ein wenig schlecht, wenn ich an mein Gesamtbudget für diese Reise denke, dass ich mit diesem Kauf weiterhin extrem geschrumpft habe. Um ehrlich zu sein: Ich bin so gut wie blank! Der Unfall in Indien und viele, viele Kleinigkeiten, haben die Reise doch viel teurer werden lassen, als gedacht. Aber was will ich machen? Ich brauche den Reifen vielleicht schneller als gedacht, nicht zuletzt weil ich schon seit einem Monat mit einem Geflickten herumfahre, der jeden Moment den Geist aufgeben kann. Und das ein paar Meter entfernt von Afghanistan? Da hab ich keinen Bock drauf. Noch mal kurz zur Erklärung: Hier wie in Indien sind die Einfuhrsteuer auf Produkte aus dem Ausland einfach extrem hoch, um die lokale Wirtschaft zu fördern – die allerdings Reifen, wie meine, nicht wirklich produzieren. Obendrein bezahlt man dann noch die Frachtkosten und natürlich auch noch ein fürstliches Honorar, an denjenigen der einem das schwarze Gummi überreicht, als seien es ein Kilo Kokain. In diesem Fall war der Dealer meiner Vertrauens ein Bekannter von Zahid, der einen kleinen, exklusiven Motorradladen in Lahore nahe des Flughafens betreibt. Ein echt netter Typ, der allerdings auch weiß, dass er da mit exklusivem Zeug handelt. Dementsprechend ist seine Kundschaft, die ich kennenlerne. Gut verdienende älteren Herren aus der Wirtschaft und dem Musikbusiness. Eben Leute, die sich das Hobby eines großen Moppeds, hier in Pakistan, leisten können.

Also dann. Endlich geht’s weiter. Meine nächste Station ist Multan, das ich über den großen Highway in Richtung Südwesten an einem Tag erreichen möchte. Und ich bin erstaunt, wie gut das zu klappen scheint. Die Straße ist extrem gut ausgebaut und ein wahrer Genuss, zumindest im Vergleich mit vielen anderen Straßen, auf denen ich in den letzten neun Monaten unterwegs war. Obendrein bin ich froh, dass ich in diesem Teil des Landes noch auf keine Polizeieskorten warten oder ihnen folgen muss, was über den Tag verteilt, enorm Zeit in Anspruch nehmen kann. Doch ich weiß, das kommt schon bald wieder auf mich zu. 120, 130, ich komme gut voran und habe sogar die Zeit ein kleines Päuschen einzulegen und auf meine WhatsApp-Nachrichten zu schauen. Die bekomme ich schon seit gestern von Shoeab und seinem Freund Muhammad Iqbal, der in der internationalen Motorradreiseszene bekannt zu sein scheint, wie ein bunter Hund. Als ich noch darüber nachdenke, wie ich eigentlich den Kontakt zu ihnen bekommen habe, bekomme ich erstmal die Krise. Schon auf der Abfahrt, rein nach Multan, erschlägt mich mal wieder der dichte Verkehr. Eselskarren, LKWs und kleine Mopeds – so weit das Auge reicht. Und auch hier heißt es wieder einmal: Scheiß auf die Regeln! Jeder fährt wie es ihm gefällt. Es ist zwar nicht so schlimm wie im verfeindeten Nachbarland. Aber auch hier scheint jeder, den Sechs-Millionen-Dollar-Deal zu verpassen und fährt dementsprechend schnell und rücksichtslos. Zum Glück habe ich die Koordinaten einer Metallwerkstatt, wo ich schon von den Jungs erwartet und überschwänglich empfangen werde – mit einen traditionellen Kranz aus Rosenblüten, Cola und Pizza. Wie selbstverständlich werde ich kurze Zeit später ins Hotel eskortiert, dass – trotz meinem entschiedenen Protest – ebenfalls vollkommen selbstverständlich für mich bezahlt wird. Mir ist das extrem unangenehm. Aber: Es gibt keine Diskussion! Ebenso wenig wie Langeweile, die bei dem ausgefeilten Stadtbesichtigungsprogramm am kommenden Tag aufkommt. Der Besuch im Töpferladen des besten Freundes muss zwar nicht unbedingt sein, aber der Rest ist echt interessant. Uralte Moscheen, Kriege mit den Mongolen und den Brieten. Ein bisschen Geschichtsunterricht finde ich ja schon ab und zu mal ganz cool. Was ein toller Tag – mit tollen, warmherzigen, aufgeschlossenen Menschen.

Und wieder einmal werde ich darin bestätigt, dass das durchweg schlechte Bild, welches viele Menschen, auch bei uns in Deutschland, über Pakistan vermittelt bekommen und schlussendlich haben, schlicht und einfach falsch ist.

Nachdem ich von Iqbal, wie ihn seine Freunde nennen, mehrfach geherzt und umarmt wurde, mach ich mich wieder los. In der Tasche habe ich von ihm eine paar Tipps und Kontakte für Belutschistan, den Iran und die Türkei. Von der ist er erst vor wenigen Tagen zurückgekehrt und hat damit, den mir bevorstehenden Weg erst vor Kurzem hinter sich gebracht. Mein nächstes ZIel in Richtung Westen heißt Shikarpur, beziehungsweise Hafeez, ein Freund von Iqbal. Wie schon andere Reisende vor mir, soll ich bei ihm übernachten. Nicht zuletzt weil er English spricht, Kontakte zur Polizei und zum Militär und schon Erfahrung mit Touristen hat, was man verständlicherweise von 99 Prozent der Bevölkerung nicht behaupten kann. Klingt gut und fühlt sich auch so an. Vor allem, da ich weiß, dass es für mich danach in den, aus politischer Sicht, doch eher unsicheren Teil Pakistans geht – nach Belutschistan.

Und wie heißt es so schon bei Brösels Werner Beinhart? Freie Bahn mit Marzipan. Auch heute ist Matilda, die Göttin der Straße, wieder nett zu mir. Der Asphalt hat kaum Löcher, ist eben, trocken und breit. Die Sonne scheint und ich habe, wie so oft, Musik auf den Ohren. Und während ich so vor mich hin düse und darüber nachdenke, dass auch die letzten 250 Kilometer bei diesen Verhältnissen kein Problem sein sollten, wird der Verkehr mit einem Mal immer zählfließender. Ach Mist! Stau?! Ich richte mich auf, und versuche links und rechts an der Schlange vorbeizuschauen. Doch leider ist nichts zu erkennen. Nur Fahrzeuge bis zum Horizont. Was für ein Mist! Aus Erfahrung, habe ich keine Lust irgendwo im Dunkeln anzukommen – an einem Ort und bei Verhältnissen, die ich mal so gar nicht einschätzen kann. Also dann: Same procedure as every time. Wozu habe ich denn ein Motorrad? Und ja natürlich: Um am Stau vorbeizufahren. Kleiner Einwurf zwischendurch, für all diejenigen, die sich jetzt darüber und über all die Motorradfahrer, die das auch bei uns in Deutschland machen, aufregen. Erstens: Es ist mir scheißegal! Zweitens: Es gibt dafür gut Gründe dafür, die wir gerne mal bei einem Bier – oder aus aktuellem Anlass, auch gerne bei einem Kaffee – besprechen können. Ich fahre also runter von der Straße auf den sandigen, erdigen Standstreifen und schlängele mich an der Schlange vorbei. Leider bin ich nicht der Einzige, der auf diese Idee kommt. Auch der ein oder andere Auto- und LKW-Fahrer versucht sein Glück. Doch es klappt ganz gut, meiner – wenn auch noch so geringen – Offroaderfahrung sei Dank. Gut einen Kilometer kann ich machen. Doch dann geht mit einem mal nichts mehr. Die Lücken zwischen den Fahrzeugen werden immer enger und enger. Mein Bauch sagt mir, dass ich anhalten sollte. Doch im Kopf sehe ich mich schon bald wieder am Gashahn drehen, um nicht irgendwo mitten in der Nacht anzukommen. Und so schlängele ich mich weiter im Schneckentempo voran. Es ist früher Nachmittag und mittlerweile warm und stickig.

Eine halbe Stunde später. Nur rund 100 Meter von mir entfernt tobt ein Straßenkampf zwischen zwei muslimischen Familien, die sich um Grund und Boden streiten. Und ich Vollidiot habe gerade, weil ich nicht mehr daran gedacht habe, dass dieser bekackte Schlüssel nur aus Plastik ist, meinen Ersatzschlüssel für mein Motorrad abgebrochen. Nein! Was eine Scheiße! Noch gestern habe ich darüber nachgedacht, dass ich, nachdem ich meinen richtigen Schlüssel in Indien verloren habe, beziehungsweise mir dieser vielleicht auch in einem Hostel geklaut worden ist, mir endlich meinen Zweitschlüssel aus Deutschland schicken lassen sollte. Oh man! Obwohl ich zwischen all den Polizisten hier in Sicherheit bin, schießt mir gerade das Adrenalin ins Blut. Ich spüre wie nervös ich werde. Der nächste Transport meines Motorrads auf einem rostigen LKW in Richtung Islamabad, das Geld was ich dafür bezahlen würde, mein Pakistan-Visum, dass bald ausläuft. All das läuft vor der aktuellen Kulisse, mit seinen Protagonisten, gerade wie ein schlechter Film vor meinen Augen ab.

Doch wie schon so oft auf dieser Reise, kommen auch in dieser Szene wieder einmal Helden und Dinge ins Bild, die für ein Happy End extrem förderlich sind.

Was in den nächsten Stunden und Tagen genau geschehen ist, davon möchte ich gerne nach meiner Heimkehr erzählen. Wann und wo mein Film dann zu sehen sein wird, kann ich an dieser Stelle noch nicht sagen. Und wer weiß, vielleicht gibt es, auch auf Grund der schon zahlreichen Aufforderungen und Anfragen dazu, später auch ein Buch. In dem würden dann auch Erlebnisse Platz finden, die mit der Kamera nicht oder nur schwer einzufangen waren.

Fünf Tage später. Ich bin in einem kleinen Dorf, in der Nähe von Shikarpur, im Gästeanwesen einer der wohlhabendsten Familien der Regionen Sindh. Bis vorgestern habe ich mich zwei Tage komplett entleert. Mit der Konsequenz das ich bestimmt drei Kilo runter habe und jetzt starke Antibiotika nehme, die ich seit der USA in meinem Koffer habe. Mein Tipp an dieser Stelle: Tu Dir und Deiner Umwelt einen gefallen und sag nein zu Orangenschaft von Straßenständen in Pakistan. Nach einer groben und extrem witzigen Einführung in Sachen Cricket durch Hafeez und wieder einmal einem grandiosen Abendessen, das mir von der Frau des Hauses zubereitet wurde, hatte ich mein Motorrad schon so gut wie bepackt. Auch von ihm und seinem Bruder Zaib, mit dem ich ebenfalls eine tolle Zeit hatte, habe ich mich schon am Vorabend verabschiedet und über sie liebe Grüße an die Mutter ausgerichtet, die ich leider nie zu Gesicht bekommen habe. Irgendwie komisch, aber so ist das eben, in einem streng muslimisch Haushalt. Nur die beiden Bediensteten des Hauses, sind schon so früh auf den Beinen wie ich. Echt nette Burschen! Sie verstehen auch von dem was ich jetzt wieder zu ihnen sage, nicht ein einziges Wort. Doch ich merke wie schade sie es finden, dass ich jetzt wieder weiterfahre. Wie schon so oft auf meiner Reise, macht dies den Abschied auch nicht gerade leicht. Ebenso wenig die Tatsache, dass die für mich georderte Polizeieskorte einfach nicht auftaucht. Und das obwohl Hafeez gestern mehrfach mit den lokalen Zuständigkeiten telefoniert hat. Auch wenn ich mich noch nicht an der Grenze zu Belutschistan befinde, sollte ich dennoch bereits an diesem Morgen eine Eskorte bekommen, um mit dieser zusammen meinem Weg in den Norden anzutreten. „Sicher ist sicher! Hier weiß man nie. In Sachen Taliban erleben wir gerade wieder eine schwierige Zeit.“, sagte Zaib. Na super! Mittlerweile ist es schon halb neun. Ich warte schon seit einer Stunde. Doch es hilft alles nichts, ich muss los in Richtung Quetta. Und so stecke ich meinen neuen Schlüssel ins Zündschloss und lasse Tom Morello, so gut wie jeden Morgen, seinen Job machen.

Nach 100 Kilometern ist dann allerdings Schluss mit dem Alleingang. Von jetzt an fahre ich nicht mehr allein weiter. Was ich schon bei der Durchfahrt der Zollstation an der Gestik des wachhabenden Soldaten sehe. Oder ist der doch Polizist? So richtig weiß man das ab und zu nicht, da eben die Jungs zwar eine Wumme aber keine Uniform tragen. Also links ranfahren und erstmal, wie ich es schon im Oktober gemacht habe, meinen Namen, meine Pass- und Visanummer, mein Kennzeichen und mein Reiseziel in einem Buch eintragen. Das im Übrigen so aussieht, als sei es nach seiner Einführung im Spätherbst 1412 mehrfach von Eselskarren, Streitwagen und schlussendlich von LKW überrollt worden. Ziemlich vertauenserweckend, wenn man plötzlich statt einem, sechs Bücher in der Hand hat und es scheinbar vollkommen egal ist, auf welche Seite man seine Daten schreibt.

Woher kommst Du? Wohin willst Du? In welchen Ländern warst Du bereits? Was kostet Dein Motorrad? Wie immer beantworte ich auch dieses Mal diese Fragen gerne, wenn ich doch auch merke, dass meine Antworten mittlerweile schon sehr auswendig gelernt klingen müssen.

Eine gute halbe Stunde später geht es weiter. Kilometer für Kilometer durch die karge Landschaft im Süden Belutschistans. Vorbei an Kamelen, den ersten Dünen und unzähligen ärmlich wirkenden Häusersiedlungen. Ich bin mitten in Nirgendwo. Wie schon in Hunza, wechselt die Eskorte auch hier in unregelmäßigen Abständen. Mal nach einer halben, mal nach einer Stunde. Mal ausgestattet mit einem großen Jeep, mal mit einer kleinen 125er. Mal bis an die Zähne bewaffnet, mal nur mit einer Pistole. Aber: Immer sind die Polizisten, die den unterschiedlichen Bezirken angehören, mehr als nur nett. Stunde um Stunde, Eskorte für Eskorte, Bucheintrag für Bucheintrag geht es voran in Richtung Quetta. Das ich dann schließlich kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreiche. Was um Himmels Willen ist das? Am Eingang der Stadt wartet als letzte Eskorte ein blauer, vollgepanzerter Wagen auf mich. Ich bin baff! Eben weil ich mit dieser Form von Schutzmaßnahmen dann doch nicht gerechnet habe. Maschinengewehre, Pistolen und Sturmmasken, durch die einen tiefe braune Augen stumm anblicken – das alles habe ich bisher schon gesehen. Doch dieses fast schrottreife, stählerne Irgendetwas, das hier scheinbar notwendig sein kann, macht mir dann doch ein etwas mulmiges Gefühl. Was allerdings auch dadurch befördert wird, dass ich mich noch nicht wirklich fit fühle – mit den Antibiotika in den Knochen. Ich bin träge. Vor Müdigkeit fallen mir fast die Augen.

„Ja, doch! Ich mach ja schon.“ Immer wieder werde ich lautstark und durch Handzeichen harsch dazu aufgefordert, die Lücke zwischen dem Panzer und mir nicht allzu groß werden zu lassen und bis auf einen Meter aufzuschließen – bei 50 km/h. Und da, schon wieder. „Ja verdammt! Dann repariert ihr aber auch mal die Bremslichter an dem blauen Klo! Ihr Arschgeigen!“, brülle ich unter meinem Helm und muss dieses Mal voll in die Bremsen steigen. Oh, fuck! Und in diesem Augenblick rutscht auch schon mein Vorderrad weg. Wow! Erst im letzten Moment kriege ich wieder Grip. Puh, das war knapp! Fast hätte ich mich auf die Fresse gelegt bzw. wäre unter den LKW mit den Kühen gerutscht. Und schlagartig werde ich wieder daran erinnert, dass das ABS an meiner Machine bereits in Nepal seinen Geist aufgegeben hat. Was wiederum, bei dem extrem feinen Staub, der hier die Straßen und meine Bremsen belegt – in Kombination mit der doch sehr beleibten bayrischen Dame – extrem hilfreich wäre. Ich bin’s einfach nicht gewohnt. Oh man! Das kann mir ja was geben, in den kommenden Wochen und Monaten. „Das ist noch ein Stückchen bis nach Hause“, denke ich mir und rolle wie auf rohen Eiern nach rund zehn Minuten in die Einfahrt des kleinen Hotels, dass hier von Menschen wie mir gebucht wird. Nicht zuletzt weil es nahezu die einzig wirklich Möglichkeit einer Übernachtung bietet und zum anderen automatisch von der Armee und Polizei angesteuert wird. Womit ein für alle mal festzuhalten ist: Campen ist hier nicht!

„Hey, man. Wie geht’s Dir? Alles gut? Wie waren die Jungs von der Eskorte. Hast Du auch die blaue Blechdose gesehen? Willkommen in Quetta. Willst Du auch Richtung Iran? Ach übrigens, ich bin Tony.“

Sagt zu mir ein rot-blonder, vollbärtiger Typ und hält mir, breit grinsend, seine ölverschmierte Hand zur Begrüßung hin. Ich hatte ihn erst gar nicht gesehen, erst als ich mein Motorrad abgestellt und meinen Helm abgesetzt hatte. Und schon krabbelt er auch wieder unter seinen dicken Toyota Land Cruiser, mit dem es scheinbar ein paar Probleme gibt. Was ich auch daraus schließe, dass ein einheimischer Mechaniker die Szenerie abrundet. Als ich eine Viertelstunde später meine Klamotten auf mein Zimmer bringe, treffe ich dann auch Tonys Kumpel Dave, der allein im Innenhof sitzt und sein Tagebuch zu schreiben scheint. Und was soll ich sagen?! Ich habe schon seit Jahren eine große Schwäche für Briten, von denen ich einige zu meinen Freunden zählen kann. Und so kommt wie es, wie es kommen muss. Als jeder von uns alles für den Tag erledigt hat, sitzen wir, bei einem recht guten Hühnchencurry und hausgemachten Brot, zusammen auf dem Zimmer. Im Hintergrund brennt der offene Gasofen, der bei den hier doch empfindlich kalten Temperaturen nachts, extrem gut kommt. Wir quatschen über unsere bisherigen Reisen und tun das, was man als Deutsche und Briten eben gerne macht. Man trinkt ein paar Bier zusammen – in diesem Fall von Ihnen geschmuggeltes, thailändisches Bier. Und wieder einmal merke ich, wie ich das in den letzten Wochen – vor allem im fast ausnahmslos alkoholfreien Pakistan – vermisst habe. Man kommt eben doch nicht aus seiner Haut. Und so erfahre ich leicht angeschossen, durch ein paar Plastikbecher Bier und der letzten Antibiotika, dass die Jungs ihre Reise vor rund zehn Wochen in Malaysia gestartet haben und nun auf dem Weg zu ihrer Insel sind. Was so viel heiß, dass wir, zumindest für die kommenden Tage, denselben Weg vor uns haben.

Was schon am nächsten Morgen bedeutet, dass wir zusammen auf die hiesige Polizeistation müssen, um uns das so genannte NOC zu besorgen. Die offizielle Durchfahrtgenehmigung für Belutschistan, entlang der afghanischen Grenze. Ohne diesen Lappen fährt hier nämlich niemand Richtung Westen. Schon gar nicht zwei dauerlachende Briten und ein heute leicht verkaterter Deutscher, der das Saufen einfach nicht mehr gewohnt ist. Und es kommt wie es kommen muss, auf einem Amt, am anderen Ende der Welt. Wir verbringen, den ganzen lieben langen Tag mit Warten. Warten auf unterschiedliche Leute, auf unterschiedliche Stempel und das in unterschiedlichen Räumen und Gebäuden. Erst nach gefühlten 122 Tassen Tee – ich wiederhole: Tee – kommt am späten Nachmittag langsam Bewegung in die Sache und wir bekommen den Chef des ganzen Apparats zu Gesicht. Der dann wiederum die für uns so wichtige Genehmigung in Windeseile absegnet und uns eine gute Fahrt wünscht. Und auch wenn ich Gefahr laufe, damit komisch und unhöflich zu wirken: Nein, ich will keinen Tee mehr trinken. Vielen Dank!

Alles klar. Morgen früh soll´s also losgehen für uns drei. Einziges Problem: Wir alles müssen noch Geld wechseln. Oder besser: Wir alles drei müssen uns noch Bargeld beschaffen. US-Dollar oder Euro. Der Grund: Auch wenn sich die Sanktionen der USA langsam aber sicher locker, für Ausländer gibt es an Geldautomaten in unserem nächsten Reiseland, dem Iran, immer noch keine Geld. Und wenn es eine Möglichkeit gibt, dieses Problem zu lösen, dann ist das hier. Nach Sonnenuntergang ist für uns eigentlich Ausgangsperre in der Stadt, auch unter Polizeischutz. Eigentlich haben die Jungs schon Feierabend. Und so begleiten uns drei Polizisten sichtbar genervt von Geldautomat zu Geldautomat, bis endlich alle Teilnehmer der britisch-deutschen Reisegruppe ein paare hundert Euro bzw. Dollar an Bargeld in der Tasche haben. Einer von Ihnen ist extrem neugierig und will wissen, wie viel wir abgehoben haben. Doch alle schalten und vermeiden zu erzählen, wie viel sie tatsächlich abgehoben haben. Denn die Jungs, wie auch ich, haben zuvor gelesen, dass auch schon Polizisten und Soldaten in Raubüberfälle auf und Entführungen von Touristen verwickelt waren. Oh man!

Mit der in Pakistan zum guten Ton gehörenden einstündigen Verspätung, geht es am nächsten Morgen, samt Polizeieskorte, endlich aus der Stadt in Richtung Westen. Das ich wieder einmal nicht an mein nicht funktionierendes ABS und den ganzen Staub auf der Straße denke und dadurch fast in unsere Eskorte rutsche, erwähne ich an dieser Stelle nur mal so am Rande. Junge, Junge! Was für ein Erlebnis. Mit dem Motorrad durch Belutschistan. Erst am Vorabend und durch ein Gespräch mit Tony, ist mir wieder einmal klar geworden, was ich hier eigentlich gerade tue und erleben darf. Ich bin auf einer Weltreise und fahre gerade durch eine der vielleicht gefährlichsten Gegen dieser Erde. Und das auf meinem Motorrad. So richtig packe ich das nicht, was aber auch daran liegt das nur wenig Zeit zum Nachdenken bleibt. Die Herren In Uniform halten keine Minute länger als irgend nötig. Relativ zügig finden von nun an die Wechsel zwischen den Eskorten statt. Unsere Eintragungen in die hier relativ gut geführten Durchfahrtsbücher sollen schell von Statten gehen. Angehalten, auch zum Pickeln oder zum Essen, wird nicht einfach so, zumindest nicht auf offener Straße. Alles scheint zeitlich durchorganisiert und überlegt zu sein, um nicht leicht zu einem Zeil für einen Angriff zu werden. Und dennoch:

Ich haben hier in Belutschistan eine gute Zeit. Die so ganz anders ist, als ich sie mir vor vielen Monaten an meinem Schreibtisch ausgemalt habe. Spannend, anstrengend und voller wunderbarer Begegnungen.

Aber wie es genau war und was ich in den kommenden Tagen, zusammen mit meinen beiden Engländern erlebt habe, auch davon möchte ich in meinem Film erzählen, der hoffentlich nach meiner Reise entsteht.

Vier Tage und rund 1200 Kilometer später. Wir sind im Iran. Dave, Tony und ich stehen früh morgens vor unserem Backpacker-Hotel in Kerman und sind froh, dass wir jetzt endgültig wieder im Besitz unsere Pässe sind und von nun an keine Polizeieskorte mehr brauchen. Denn auch im südöstlichen Teil Irans hatte man uns diese angedeihen lassen. Was zum Schluss unser Vorankommen doch deutlich verlangsamt hatte und nervig wurde. Das heißt: Wir können uns endlich frei bewegen. In diesem Land, von dem ich schon so viel Gutes gehört und gelesen habe – in Reiseblogs und auf den Internetseiten von anderen Motorradreisenden. Fast niemand scheint aus diesem Land schlechte Eindrücke mitgebracht zu haben. Den beiden Briten geht es ähnlich, auch sie sind voller Erwartung, was nun in den kommenden Tagen auf uns zukommt. Was heute auf uns zukommt, steht allerdings schon fest. Wir wollen damit beginnen, uns einer der angeblich wunderschönsten, alten Orte anzuschauen, die Persien – wie der Iran mal genannt wurde – zu bieten hat. Und so geht es für uns, in ihrem Land Cruiser, bei bestem Sonnenschein, aber doch recht frischen acht Grad, rund 100 Kilometer in Richtung Süden. Dann erreichen wir das Schloss von Rayen. Eine Festungsanlage am Rand des Haraz Bergs, die schätzungsweise 1000 Jahre alt ist. Nachdem sie im Jahre 2003 fast vollständig durch ein schweres Erdbebens zerstört wurde, wird sie gerade wieder restauriert – mit einem immensen Aufwand. Jede Wand, jeder Winkel, jedes Haus wird aufbaut werden. Historisch korrekt aus einem Gemisch aus Stroh, feinem Kies und Sand. Wir sind beeindruckt!

Ebenso wie die Gastfreundschaft, die wir in den kommenden Tagen erleben dürfen. Wir haben beschlossen, zu versuchen, auf unserem Weg in Richtung Türkei, wenn es irgend möglich ist, bei Einheimischen unterzukommen. Was sich als viel leichter herausstellt als zuvor vermutet. Wir sind erstaunt, wie viele Leuten sich auf den – für sie doch gesetzlich verbotenen – Internetseiten, wie der von Couchsurfing, registriert haben. Und uns teilweise, schon eine Stunde, nach unsere Anfrage, einen Platz für uns und unsere Gefährte anbieten. Auch die Kommunikation über Facebook, dass nur über einen, ebenfalls illegalen, VPN-Zugang oder durch ähnliche Hilfsmittel zugänglich ist, funktioniert recht gut. Und so schlafen wir in den kommenden Tagen auf Sofas, Matratzen, rauchen stundenlang Wasserpfeife, haben tolle Gespräche und sind immer wieder erstaunt – nicht nur von all den Sehenswürdigkeiten, die mir ja – mal so unter uns – irgendwann schon ein bisschen zu viel werden. Trotz all den strengen Regeln des täglichen Lebens hier im Iran, zu dem auch der vom Staat geforderte Abstand zu Nicht-Muslimen gehört, ist fast jeder uns gegenüber extrem aufgeschlossen und hilfsbreit. Von Shiraz bis Teheran, das wir beschließen zu umfahren, treffen wir in jeder Stadt auf nette Menschen mit unzähligen Fragen an uns. Doch wir spüren auch, wie sehr doch gerade die junge Generation nach Veränderung strebt. Schnell geht es um Politik und Vergleiche zwischen unseren Ländern und dem Iran. Klar ist: Die Jungen hoffen hier sehr auf einen Wandel und darauf, dass all die alten Männer mit den grauen Bärten endlich die Grenze für jeden und – vor allem – für sie öffnen. Sie sind eingesperrt in einem Land, dass Ihnen nur wenig Perspektiven und so gut wie keine Freiheit bietet.

Umso verlockender sind dann Dinge, wie selbstgepresstes Haschisch oder selbstgebrannter Alkohol, der wie so vieles streng verboten ist, uns aber mit einem verschmitzten Lächeln offenherzig angeboten wird.

Fast eine Woche später. Bis Urmia, unserer letzten Station im Iran, sind es nur noch 100 km. Und während Tony und Dave ganz lässig, nur mit Pullover bekleidet, in ihrem dicken Jeep vor sich hincruisen, muss ich mir endgültig eingestehen, dass ich mir in den kommenden Wochen ziemlich sicher des öfteren meinem Arsch abfrieren werde. Da helfen auch keine zwei Lagen Thermounterwäsche, Sturmhaube und gefütterte Handschuhe. Fest steht: Auch wenn schon fleißig die Sonne scheint, bis der Frühling wirklich Einzug hält, das dauert noch. Aktuell haben wir noch entspannte 5 Grad über Null. Aber: Ich fahre von nun an immer in Richtung Norden. Was ein Mist! Aber nun denn, da muss ich wohl mit Leben. Genauso wie mit unserem Abschied, der jetzt langsam ansteht. Und der auch ihnen nicht allzu leicht zu fallen scheint. Was für ein paar tolle Tage! Doch während ich noch ein paar Tage hier bleiben möchte, um noch ein bisschen was vom iranischen Leben mitzubekommen und mich mal wieder ein wenig neu zu organisieren, müssend die Beiden leider Gas geben. Und das nicht zu knapp! Denn sie haben nur noch zwei Wochen Zeit, dann winkt in England wieder die Arbeit. Ganz im Gegensatz zu diesem Morgen, an dem winkt uns nämlich allen ein kleiner bis mittelgroßer Kater zu. Den wir dank ein paar Flaschen „irgendwie organisiertem“ Bier, einer Flasche chinesischem Reiswein und ein paar zu vielen Zigaretten haben. Aber das tut der eigentlichen Stimmung keinen Abbruch. Mit dem und ein paar tollen Erinnerungen stehen wir jetzt im Innenhof von Hosseins Guesthouse, der hier im Iran die Anlaufstelle für Overland-Reisende ist, und drücken uns noch mal und reißen ein paar schlechte Witze zum Abschied. Und fünf Minuten später biegen sie auch schon um die nächsten Ecke und ich verliere sie aus dem Fokus meiner Kamera. In rund vier Stunden sollten sie die Grenze zur Türkei erreichen – die auch das nächstes Ziel meiner Weltreise ist.

8 Comments on “Briten, Bier und Belutschistan

  1. Lieber Christian,
    wieder einmal eine packende Geschichte aus einem Land, das so ganz anders ist als das unsrige. Das mit dem Mopedschlüssel passiert Dir sicher nicht noch mal. Hoffe, Du hast in Deutschland gleich einen Ersatz für den Ersatzschlüssel geordert.
    Wir drücken Dir weiter die Daumen. Pass auf Dich auf,
    Stefan

    • Hey Stefan,

      bitte verzeih mir meine doch recht späte Rückmeldung. Aber so ist das eben ab und zu auf der Straße. Oft laufen die Dinge ganz anders als man sich das vorstellt.

      Was den Schlüssel angeht: Nein, das passiert mir nicht noch einmal. Wie heißt es doch so schön? Lernen durch Schmerz.

      Danke auch Dir für die gedrückten Daumen – die ich in den kommenden Wochen noch gut werde gebrauchen können.

      Grüße von der Straße.

  2. Hi Christian!

    Und wieder einmal packend! Ohne Kaffee geht es einfach nicht, das kann ich gut verstehen.

    Ich drücke dir auch weiterhin die Daumen und wünsche Dir ein wenig Wärme 😉

    Weiterhin eine gute Reise!
    Gruß
    Manuel

    • Hey Manuel,

      jetzt habe ich – mit einem Espresso in der Hand – endlich mal die Möglichkeit Dir auf Deinen netten Kommentar zu antworten.

      Vielen lieben Dank für Dein Feedback und Deine gedrückten Daumen. Auch die werde ich in den nächsten Wochen noch gut gebrauchen können.

      Grüße von der Straße.

  3. Hallo Christian,

    falls du meinen ersten Kommentar überhaupt schon gelesen hat, vergiss ihn bitte. Ich war einfach etwas zu blöd (und zu voreilig).
    Deine Geschichte, die du hier erzählst, ist maximal fantastisch. Es ist schwer, sich von der Lektüre los zu reissen. Ich bin schon wirklich gespannt, ob ich deinen angekündigten Film auch mal sehen darf.

    Gruß
    MArtin (der zu Hause bleiben muss)

    • Hallo Martin,

      vielen lieben Dank für Deinen Kommentar, den ich übrigens überhaupt gar nicht blöd finde. Es ist immer gut eine Rückmeldung zu bekommen. Nur so kann man einschätzen, wie das was man da so auf´s digitale Papier bringt, bei den Leuten ankommt.

      Was den Film angeht: Ob, wann und wo der zu sehen sein wird, das kann ich an dieser Stelle leider noch nicht sagen. Aber klar ist, dass man auf dieser Seite lesen wird, wir es weiter geht mit dem Projekt.

      Vielleicht schon mal so viel: Ein erster Trailer zum Film ist schon in Arbeit.

      Grüße an „zu Hause“.

  4. Moin Christian,
    es ist fesselnd wie immer….und man kann es kaum abwarten das nächste von dir zur lesen. Mal ganz ehrlich….ich würde es richtig gut finden wenn es diese Weltreise mit deiner Bayrischen Dame als Buch und als Film zum miterleben gäbe.
    Ich drücke dir die Daumen für den Rest deiner Tour und freue mich darauf dich irgendwann Gesund und Munter hier in Kassel wiederzusehen!

    Viele Grüße
    Andreas

    • Hallo Andreas,

      vielen lieben Dank für Deinen netten Kommentar. Was die mediale Aufbereitung meiner Reise angeht: Wie heißt es so schön? Schauen wir mal.

      Deine gedrückten Daumen kann ich in jedem Fall gut gebrauchen. Denn um wirklich behaupten zu können „einmal rum gefahren“ zu sein, habe ich noch ein paar Kilometer vor mir.

      Und ja: Bis hoffentlich bald – gesund und munter in Kassel im hr.

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